Weintourismus Schweiz: Ein Kapitel für sich!

auvernier_8 Seit über 16 Jahren nun organisiere ich Reisen mit dem Thema Wein & Gastronomie in Frankreich und Italien. Als Schweizerin ist es deshalb naheliegend solche Touren auch im schönen Schweizerland zu organisieren: die Landschaft ist reizvoll und es gibt auch etliche Trouvaillen zu entdecken. Auch in der Kulinarik muss sich die Schweiz eigentlich nicht verstecken. Letztes Jahr im August 2013 hatte ich die erste Erfahrung mit einer Weindegustation in der Schweiz. Genauer gesagt im Lavaux-Gebiet nahe Lausanne. Leider machte ich einen folgenschweren Fehler, denn ich habe automatisch angenommen, wenn die Weinproben mit Empfang und Erklärungen und Diskussionen in Frankreich und Italien bestens klappen, dann in der Schweiz sowieso. Ich gebe es zu: eine naive und gleichzeitig auch überhebliche Einstellung und ich wurde auch sehr schnell vom Gegenteil überzeugt!

Gebucht war für eine Gruppe mit ca. 40 Personen eine private Weinprobe mit Häppchen: Wurst und Käse aus der Region und Brot. Als wir im Keller angekommen sind, auvernier_5war noch NICHTS vorbereitet! Der Käse und die Würste waren noch eingepackt. Nach einer Weile hat der Winzer die Gläser gefüllt; niemand wusste aber, dass ER der Winzer ist – er hat sich weder vorgestellt, noch hat er irgend etwas über den Wein erzählt. Erst nach dem ersten Wein wurde Käse und Wurst ausgepackt und in Scheiben geschnitten. Bis der zweite Wein eingeschenkt wurde, gab es etwa eine 20 minütige Pause; es gab nichts zu trinken und nichts zu essen während dieser Wartezeit. Die Portionen waren mickrig, das Brot reichte hinten und vorne nicht… für mich als Organisatorin eine schäbige und sehr peinliche Nummer! Die Peinlichkeit wurde noch überboten: Am Ende gab es immerhin noch ein paar Teilnehmer, die eine Kiste vom teuersten Wein kaufen wollten; das war aber nicht möglich, denn der Winzer hatte diesen Wein nicht vorrätig in dem Degustationskeller. Er wohnt etwa 1,5 km vom Keller entfernt und er war nicht in der Lage, diese paar Flaschen irgendwie zu organisieren.

auvernier_2Letzten Samstag war ich auf einer Reko-Reise in der Region von Neuchâtel. Neben Neuchâtel befindet sich das pittoreske Städtchen Auvernier. Ich kam dort um 13.00 Uhr an und musste leider feststellen, dass ALLE Weinkeller am Samstagnachmittag geschlossen sind. Das kann ich überhaupt nicht verstehen: Sowohl die Schweizerische Tourismusbehörde als auch die Winzer wollen den Oenotourismus in der Schweiz fördern. Es gibt Marketing-Aktivitäten, inkl. teure Werbung im TV. Nur: was nützt das wenn die Kellereien am Wochenende geschlossen haben?? Dass am Sonntag nicht geöffnet ist, kann ich halbwegs verstehen; aber nur halbwegs: denn der Tourismus lebt ja auch von den Wochenend-Ausflüglern… Unter der Woche haben vielleicht Rentner Zeit für einen Tagestrip. Erfahrungsgemäss sind diese nicht so sehr an Weinproben interessiert und gehören auch nicht unbedingt zur Zielgruppe.
Eine berufstätige Person hat im Normalfall nur am Wochenende Zeit – Punkt. Eine Weinprobe am Samstagvormittag ist ja ok… Die Nachfrage ist jedoch definitiv am Nachmittag grösser. Aber eben; das würde ja noch mehr Arbeit bedeuten!
L’Oenotourisme Suisse n’existe pas!
Schade! Bei unseren französischen, italienischen und deutschen Nachbarn sind professionelle und grosszügige Weinproben eine Selbstverständlichkeit; und die Weinkeller richten sich mit den Öffnungszeiten nach den Bedürfnissen der Besucher – nicht umgekehrt!

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