Die Auswanderer – Teil 1: Die Vorgeschichte

 

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>>> Anmerkung: Dies ist ein Co-Blog von meinem privaten Blog. Da es sich ums Reisen handelt, passt dieser Beitrag auch hier!

Wie alles begann und der Kreis schliesst sich.

Viele fragen mich, warum ich den Südafrikanischen Pass habe, obwohl ich ja nie dort gelebt habe. Ich habe ihn deshalb, weil meine Grosseltern (Julia und Rudolph) in den 20er Jahren im letzten Jahrhundert nach Südafrika ausgewandert sind sind und meine Mutter dort auf die Welt kam. Als sie 3 Jahre alt war, reisten die Grosseltern mit meiner Mutter jedoch wieder zurück in die Schweiz und kehrten nicht mehr zurück.

So habe ich die beiden in Erinnerung. Meine Grossmutter wirkte gegen aussen eher streng und resolut. Sie war ein magere, energische und willensstarke Frau. Mein Grossvater liess sie machen, er war eher bedächtig und auch künstlerisch begabt und vermutlich ihr ruhiger Pol. Wahrscheinlich haben sich die beiden bestens ergänzt. Mein Grossvater starb 1975 und die Grossmuter 1990. 

Ich finde, für die damalige Zeit war dieses Vorhaben auszuwandern schon sehr mutig. Heute sitzt man in den Flieger, ist ein Tag unterwegs und schwubs befindet man sich schon in der „anderen Welt“. Man kann sich das ohne Internet, Telefon, Handy kaum vorstellen. Das ist spunky – sprich mutig!

Mein Grossvater reiste alleine nach Südafrika um alles vor Ort zu erkundigen und vorzusondieren. In den Unterlagen habe ich eine Ansichtskarte gefunden, die er der Zwillingsschwester meiner Grossmutter noch vor der Abreise geschickt hat: Darin schreibt er ihr u.a. , …

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eine neue Heimat zu gründen und für „??“ mein liebes Schatzi ein Heim zu bauen indem wir über Jahre glücklich beisammen Leben können. Auch ich will dem Mann stellen und mutig der Zukunft entgegengehen….“  Wenn ich das so lese fühle ich mich tatsächlich in eine andere Welt versetzt. Heute würde man so ganz salopp sagen, „dieser Mann hat Eier“ – aber eher nicht „er will dem Mann stellen“…

In den Unterlagen habe ich unzählige Briefe und Ansichtkarten aus Südafrika, die mein Grossvater nachträglich schön, säuberlich aufbewahrt hat. Zum Glück! Ja, damals hat man sich noch Briefe und Ansichtskarten geschrieben. Und dabei kann man im nachhinein noch etwas mitverfolgen, wie so ein „Auswander-Leben“ ausgesehen hat. Wäre die Kommunikation wie heute per e-mail oder sonst wie  digital gewesen, hätte ich nun sehr wahrscheinlich diese spannende Zeitdokumente nicht!

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Und ich hätte auch nicht den Pass. Wie es dazu kam, werde ich hier kurz schildern:
Im Dezember 2002 reisten mein damaliger Mann und ich zum erstem Mal nach Südafrika. Natürlich war die Geschichte meiner Grosseltern besonders präsent. Wir beide waren auch überwältigt von dem wunderbaren Land. Ich kann es nicht beschreiben, was es ist. Es klingt doof, aber es hat etwas verzaubert. Wie auch immer: Wir waren an der Gardenroute in Wilderness in einem wunderbaren Guesthouse am Indian Ocean. Im Schlafzimmer konnte man das Meer rauschen hören und tagsüber sah man in der Ferne Delphine! Wir blieben dort ca. 3 Tage. Das letzte Abendessen war in einem tollen Restaurant und wir haben auch einen feinen Tropfen getrunken. Zurück im Guesthouse – sassen wir noch draussen und haben uns noch einen Schlumi genehmigt. Es war Vollmond und der Sternenhimmel war betörend. Ich war hin und weg. Ich erinnere mich, als ob es gestern war: ich sagte zu meinem Mann: …“und überhaupt: ich bin Südafrikanerin – ich werde den Pass kriegen“…. Seine Antwort: …“ich glaube es ist Zeit ins Bett zu gehen – du hast schon genug getrunken – du bist jetzt einfach ein wenig zu beschwipst…“.. War ich aber nicht. Im Gegenteil, ich war sehr klar im Kopf und ich WUSSTE, dass ich den Pass kriegen würde, habe aber nicht mehr darüber gesprochen. Wieder zu Hause habe ich als erste Aktion der Südafrikanischen Botschaft in Bern angerufen und geschildert wie es aussieht: Meine Mutter kam dort auf die Welt – sie selber hatte auch nie den Pass aber doch immerhin die Geburtsurkunde. Als Folge musste ich etliche Dokumente bei den Behörden beantragen. Wie auch immer: 6 Monate später hatte ich den Pass!

Quintessenz dieser Geschichte: Folge IMMER deiner Eingebung und deiner Intuition. Die wissen nämlich am besten, was für dich gut ist. Niemand von meiner Familie und in meinem Umfeld hat daran geglaubt, dass ich den Pass kriegen würde. Wenn ich auf sie gehört hätte, hätte ich ihn tatsächlich nie gekriegt. Und auch wenn es nicht geklappt hätte: ich hab’s wenigstens versucht – und die klugscheisserischen Sprüche, die darauf folgen wie.. “ ich hab’s ja gewusst…“ soll man einfach ignorieren.

Beim nächsten Teil wird es konkreter mit dem Auswandern…

Bis bald,